Nachrichten, Videos, Push-Nachrichten, und seit Kurzem auch eine KI, die in Sekunden Texte schreibt und Aufgaben löst: An Informationen kommt heute jeder mühelos. Das ist praktisch. Es verschiebt aber, worauf es ankommt. Wissen ist leicht zu haben – selbst nachzudenken dagegen nicht.
Das Gehirn braucht Aufgaben, nicht nur Futter

Einen großen Teil des Tages nehmen wir auf: Wir lesen, scrollen, schauen, und der Algorithmus schlägt das Nächste schon vor.
Ein Denkspiel dreht das um. Die Lösung liegt nicht bereit, man muss sie selbst finden. Welche Form passt hier hinein? Welcher Weg führt zum Ziel? Was habe ich übersehen? Und wenn es nicht klappt: Wie gehe ich es anders an?
Je nach Spiel sind dabei ganz unterschiedliche Dinge gefragt – räumliches Vorstellungsvermögen, Aufmerksamkeit, Arbeitsgedächtnis, logisches Denken, Planen oder die Fähigkeit, eine Idee loszulassen und umzudenken.
Mit KI wird eigenes Denken wichtiger, nicht überflüssig
KI kann zusammenfassen, Vorschläge machen und Lösungen ausspucken. Eines nimmt sie uns aber nicht ab: zu entscheiden, ob eine Lösung stimmt und ob sie Sinn ergibt.

Forschende von Microsoft haben 2025 über 300 Menschen befragt, die im Beruf regelmäßig mit KI arbeiten. Ihr Fazit: Kritisches Denken verschwindet nicht, es verlagert sich – weg vom Selbst-Erarbeiten, hin zum Prüfen, Bewerten und Einordnen von dem, was die KI liefert. Auffällig war auch: Wer der KI viel zutraute, dachte weniger kritisch nach. Wer sich selbst viel zutraute, dagegen mehr (Lee u. a., 2025).
Wir müssen also vielleicht weniger auswendig wissen. Dafür müssen wir besser erkennen, was wichtig ist, wo ein Fehler steckt und welcher Antwort wir trauen können. Das lässt sich üben.
Was beim Lösen eines Denkspiels passiert

Beim Tangram muss man Formen erkennen, sie im Kopf drehen und so lange kombinieren, bis die Figur entsteht.
Im Labyrinth plant man voraus, verfolgt mit den Augen mehrere Wege und kehrt um, wenn man in einer Sackgasse landet – ein kleiner, ehrlicher Moment: Mein Plan war falsch, ich brauche einen neuen.
Andere Logikspiele verlangen, Muster zu entdecken, Hinweise zu verbinden oder mehrere Möglichkeiten gleichzeitig im Kopf zu behalten.
Der Kopf arbeitet dabei richtig – und trotzdem fühlt es sich nicht nach Lernen an, sondern nach Spielen.
Was die Forschung dazu sagt

Puzzles beanspruchen viele Fähigkeiten gleichzeitig. Eine Studie aus Deutschland zeigte, dass beim Legen von Puzzles unter anderem Wahrnehmung, mentale Rotation, Arbeitsgedächtnis, logisches Denken und kognitive Flexibilität gefragt sind (Fissler u. a., 2018).
Rätseln hängt mit einem wachen Kopf im Alter zusammen. In der britischen PROTECT-Studie mit über 19.000 Erwachsenen zwischen 50 und 93 Jahren schnitten diejenigen, die regelmäßig Wort- und Zahlenrätsel lösten, in Tests zu Aufmerksamkeit, Denkgeschwindigkeit, Gedächtnis und Planen besser ab (Brooker u. a., 2019). Das ist allerdings ein Zusammenhang, kein Beweis: Vielleicht rätseln Menschen mit einem fitten Kopf auch einfach lieber.
Bei Kindern fördert Puzzeln das räumliche Denken. Eine Langzeitbeobachtung der University of Chicago begleitete Kinder zwischen 2 und 4 Jahren zu Hause. Wer oft mit Puzzles spielte, konnte mit viereinhalb Jahren Formen im Kopf besser drehen und verschieben – auch wenn man Einkommen und Bildung der Eltern herausrechnete (Levine u. a., 2012). Und in einer weiteren Studie lösten Kinder von 6 bis 8 Jahren nach einem kurzen Training mit Drehaufgaben sogar Rechenaufgaben besser (Cheng & Mix, 2014).
Aber: Denkspiele sind kein Zaubertrick. Ein großer Überblick über „Gehirnjogging“-Programme kam zu dem Schluss, dass man vor allem das besser kann, was man tatsächlich übt – der IQ steigt nicht einfach so, und aus einem Tangram-Profi wird nicht automatisch ein Mathe-Genie (Simons u. a., 2016).
Genau das finden wir an Denkspielen ehrlich: Sie versprechen keine Wunder. Sie trainieren Beobachten, Ausprobieren, Umdenken und Dranbleiben – und das sind Fähigkeiten, die man jeden Tag braucht.
Ein paar Minuten Denkpause statt der nächsten Scroll-Runde
Dafür braucht es kein stundenlanges Training. Ein Labyrinth, eine Tangram-Figur, ein neues Muster – oft reichen fünf bis zehn Minuten.
Das ist auch Bildschirmzeit, aber eine andere: nicht berieseln lassen, sondern hinschauen, überlegen, ausprobieren, lösen. In einer Welt voller Informationen und KI ist das vielleicht eine der wertvollsten Übungen überhaupt.
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Viel Freude beim Denken!
Dein Team von
Kreativlabor-online.de
Quellen zu diesem Artikel
- Lee, H.-P. u. a. (2025): The Impact of Generative AI on Critical Thinking. CHI ’25. doi.org/10.1145/3706598.3713778
- Fissler, P. u. a. (2018): Jigsaw Puzzling Taps Multiple Cognitive Abilities and Is a Potential Protective Factor for Cognitive Aging. Frontiers in Aging Neuroscience, 10. doi.org/10.3389/fnagi.2018.00299
- Brooker, H. u. a. (2019): An online investigation of the relationship between the frequency of word puzzle use and cognitive function in a large sample of older adults. International Journal of Geriatric Psychiatry, 34(7). doi.org/10.1002/gps.5033
- Levine, S. C. u. a. (2012): Early puzzle play: A predictor of preschoolers’ spatial transformation skill. Developmental Psychology, 48(2), 530–542. PubMed
- Cheng, Y.-L. & Mix, K. S. (2014): Spatial Training Improves Children’s Mathematics Ability. Journal of Cognition and Development, 15(1), 2–11. doi.org/10.1080/15248372.2012.725186
- Simons, D. J. u. a. (2016): Do “Brain-Training” Programs Work? Psychological Science in the Public Interest, 17(3), 103–186. doi.org/10.1177/1529100616661983